teilen auf

Modedroge "Crystal" wird zum Problem



Waldkirchen. Der Kreisverband der Jungen Union FreyungGrafenau hat in Zusammenarbeit mit dem JU Ortsverband
Waldkirchen einen Informationsabend unter dem Motto: ""Crystal" – Horrordroge auch bei uns etabliert?" veranstaltet. Als Referent wurde der Leiter der Polizeiinspektion Freyung Günter Obermüller begrüßt.

Zunächst ging Obermüller auf die geschichtliche Entwicklung der Droge ein. So synthetisierte man im Jahre 1893 erstmals "Methamphetamin" in Japan. Ab 1934 forschte man in den Berliner TemmlerWerken an der Wirkungsweise und bereits 1938 wurde unter dem Namen "Pervitin" die Arznei auf dem Markt gebracht. In dem folgenden Zweiten Weltkrieg wurde die "Panzerschokolade" oder "HermannGöringPille" millionenfach verabreicht, um eine Leistungssteigerung aber auch um eine Euphorisierung unter den Soldaten zu erreichen. Auch im sportlichen Bereich wurde "Pervitin" als Doping eingesetzt. Boxer Jupp Elze verstarb im Jahre 1968 an den Nebenwirkungen des Präparats. Auch der Tennisstar Andre Agassi gestand nach seiner Karriere, das Mittel eingenommen zu haben. Seit 1988 wird "Methamphetamin" als verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft. Der Besitz ist daher ein Vergehen.

Heute liegt die Droge in den verschiedensten Konsumformen vor. Sowohl als Tabletten (Schlucken), als Pulver  (Schnupfen oder Rauchen) aber auch in flüssiger Form (Spritzen) ist "Meth" verbreitet. Letzteres gilt auch als die "härteste" Form. Die Wirkung löst bei dem Konsumenten zunächst ein Gefühl der Überlegenheit sowie einen enormen Energiestoß aus. Jedoch kehrt sich die Medaille schnell. Zunächst folgen ein Gefühl der Leere, die Gier nach mehr, Hyperaktivität und intensiver Juckreiz. In einem weiteren Stadium sind Halluzinationen, Aggressionen und Schlaflosigkeit zu verzeichnen. Der Entzug gestaltet sich mehr als anstrengend. Gerade in dieser Phase verstärkt sich der Drang nach "mehr". Suizidanfälligkeit, Niedergeschlagenheit und Vergnügungsunfähigkeit kommen erschwerend hinzu. So muss man mit einer Rückfallquote von 93 Prozent rechnen. Weitere Folgen sind sehr schnelle Abmagerung, Haarausfall,
Zahnausfall, Hautentzündungen, Organblutungen, Herz und Kreislaufschäden und vieles mehr.

Polizeihauptkommissar Obermüller kann zwar nur geringe Fallzahlen vermelden, jedoch muss man in den letzten Jahren leider von einem starken prozentualen Anstieg sprechen. So lagen in Oberfranken 2011 618 Fälle vor. In Niederbayern hingegen 72, jedoch waren es 2009 noch 13 Fälle. Dies entspricht einer Verfünffachung innerhalb von drei Jahren. Auch speziell im Raum FRG wurden 2011 fünf Konsumenten gestellt. So musste die PI Freyung auch in diesem Jahr wieder Fälle ins Bezirksklinikum Mainkofen einweisen lassen. Sicherstellungen von Kleinmengen gehören für die  Schleierfahndung bereits zum Tagesgeschäft.

Als problematisch bei der Bekämpfung der Drogen sind vor allem die Gesetzeslagen in Tschechien zu betrachten. So wird der Besitz von bis zu zwei Gramm Crystal in Tschechien nicht als Straftat sondern lediglich als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Vor diesem Hintergrund haben es die tschechischen Polizisten natürlich schwer, mit entsprechenden Rechtseingriffen gegen die gewieften Dealer vorzugehen. Jedoch ist die bayerische Polizei sehr gut mit den Nachbarn aus Tschechien und Österreich vernetzt, so dass sich zunehmend Erfolge durch die Kooperation einstellen.

Das größte Augenmerk legt die PI Freyung jedoch auf die Schleierfahndung. So ist es in der Vergangenheit der Spezialeinheit unter Günter Obermüller gelungen, zahlreiche "Dealer" zu überführen. Der JUKreisvorsitzende
Martin Aumüller und die JUOrtsvorsitzende Maria König bedankten sich bei PHK Günter Obermüller für den sehr detaillierten aber auch interessanten Vortrag. Dabei bekräftigten sie, dass es sich bei der JU nicht lediglich um eine rein politische Organisation handle. Die Mitglieder seien auch stark im gesellschaftlichen Bereich wie in Feuerwehren und Sportvereinen eingebunden und daher sei es wichtig, dass man zu solch bedrohlichen Themen Stellung beziehe und vor Ort über die Gefahren aufklären könne. Da man sich den ganzen Abend mit "harten Drogen" befasst hatte, entschloss sich die JU, an Obermüller ein Geschenk zu überreichen, das zuweilen ebenfalls süchtig macht: ein Weizenglas der JU Bayern gefüllt mit Süßigkeiten.